Sie befinden sich hier:  

„Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin“


1. Angaben zum Unternehmen und zum Anlass der Gesundheitsaktivitäten

Logo: Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ist mit 255 000 Einwohner/innen der am dichtesten besiedelte Innenstadtbezirk mit der jüngsten Bevölkerung in Berlin. Der Bezirk zeichnet sich aus durch sanierte Gründerzeitbauten und Grünflächen.
Prägend für den Bezirk ist die multikulturelle Mischung mit Menschen aus über 100 Nationen. Dadurch ist ein spannendes und lebenswertes Miteinander verschiedener Kulturen und sozialer Schichten möglich.
Der mythische Ruf Kreuzbergs und die junge subkulturelle Szene Friedrichshains ziehen zahlreiche Touristen an. Der Bezirk ist ein begehrter Wohnort für Kreative, Studenten und Familien sowie für junge Unternehmen. Die „Kreuzberger Mischung“ aus Leben und Arbeiten im Kiez macht den Bezirk zu einem begehrten Standort für Mode-, Medien- und Musikbranche (Spreeufer), ein reges Kunst- und Kulturleben entfaltet sich durch zahlreiche Galerien und Theater.

Die Bezirksverwaltung Friedrichshain-Kreuzberg ist eine Kommunalverwaltung, die aus einem politischen Bezirksamt als Kollegialgremium besteht, das von der Bezirksverordnetenversammlung nach Parteienproporz gewählt wird. Einem Bürgermeister und fünf Stadträten/innen unterstehen jeweils eine Abteilung, jede Abteilung ist untergliedert in durchschnittlich 5 Leistungs- und Verantwortungsbereiche und/oder  Service-Einrichtungen.
Insgesamt sind in der Bezirksverwaltung ca. 2100 Beamt/innen, Angestellte und Arbeiter/innen beschäftigt.

Seit der Fusion der Bezirksämter Friedrichshain und Kreuzberg im Jahr 2001 wird das Gesundheitsmanagements für das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin auf- und ausgebaut. Seitdem wurde ein Konzept des ganzheitlichen Betrieblichen Gesundheitsmanagements entwickelt und aktiv der Prozess der Implementierung gefördert.
Durch deutliche politische Vorgaben und eine ebenso deutliche Unterstützung der betrieblichen Interessenvertretungen ist ein Prozess der Integration, Verzahnung und konzeptionellen Neuausrichtung zur Gestaltung eines gesunden Unternehmens erfolgreich in Gang gesetzt worden.
Gerade der hohe Druck, seit Jahren kontinuierlich Finanzmittel und Personal in erheblichem Umfang einsparen zu müssen, macht es unerlässlich, in die wichtigste Ressource, die Mitarbeiter/innen, zu investieren und Gesundheitsmanagement zum integralen Bestandteil der bezirklichen Personalpolitik zu machen.


 
2. Organisation und Ziele der betrieblichen Gesundheitsaktivitäten
Das Betriebliche Gesundheitsmanagement hat als Leitbild ein „gesundes Unternehmen“. Es dient dem Erfolg des Betriebes, indem es Bedingungen schafft, die die Gesunderhaltung, die Arbeitszufriedenheit und die Motivation der Beschäftigten fördern – denn nur gesunde, motivierte und zufriedene Mitarbeiter/innen arbeiten effektiv, effizient und erbringen qualitativ hochwertige Leistungen. Dabei ist das Gesundheitsmanagement eng verbunden mit dem Arbeitsschutz, der Organisationsentwicklung, dem Personal- und Qualitätsmanagement. Denn zwischen den Arbeitsbedingungen, der Gesundheit der Beschäftigten und der Qualität der geleisteten Arbeit bestehen enge Zusammenhänge. Gesundheitsbeeinträchtigende Arbeitsbedingungen gilt es in partizipativen Prozessen zu identifizieren und zu verändern, gesundheitsförderliche Potentiale und die Eigenverantwortung der Beschäftigten zu stärken und die Gesundheitsförderung in der Führungskultur des Bezirksamtes zu verankern.

Es wurde eine gesundheitswissenschaftliche Fachkraft zur Koordinierung des Betrieblichen Gesundheitsmanagements eingesetzt und eine AG Gesundheits- und Personalmanagement gegründet.
Die AG arbeitet im Auftrag des politischen Bezirksamtes als zielorientierte Steuerungsgruppe für den Gesamtprozess mit folgender Aufgabenstellung:

  • Steuerung und Kontrolle des Gesamtprozesses der Betrieblichen Gesundheitsförderung
  • Analyse der gesundheitlichen Situation der Beschäftigten (Analyseinstrumente: z. B. Gesundheitsberichterstattung, Krankenstandsdaten, Mitarbeiter/innen-Befragung, Gesundheitszirkel, Gefährdungsanalysen) 
  • Identifizierung von besonderen Belastungen
  • Prioritätensetzung von Handlungsschwerpunkten
  • Entwicklung eines Zeit- und Maßnahmeplanes
  • Begleitung der Umsetzung der Maßnahmen
  • Wirkungskontrolle der eingeleiteten Maßnahmen
  • Gesundheitsberichterstattung.



3. Maßnahmen
Es existiert bereits seit vielen Jahren im Bezirksamt eine Dienstvereinbarung Sucht, in der der Umgang mit suchtgefährdeten und suchtmittelabhängigen Mitarbeiter/inne/n sowie dem betrieblichen Umfeld klar in einem Phasenmodell geregelt ist. Eine begleitende Unterstützung der Führungskräfte, des Arbeitsteams und der Betroffenen wird über die Fachberatung Sucht und die Suchthelfer/innen angeboten. Darüber hinaus liegt der Schwerpunkt in der Präventionsarbeit und schließt insbesondere unsere jungen Auszubildenden ein.

Zur Förderung der besseren Vereinbarkeit von Arbeit und Familie und zur Vergrößerung der Möglichkeiten der selbstverantwortlichen Arbeitsgestaltung gibt es eine Dienstvereinbarung zur flexiblen Arbeitszeit.

Seit Beginn des Jahres 2005 hat das Bezirksamt eine Regelung zum Nichtraucherschutz getroffen, die ein generelles Rauchverbot in allen Dienstgebäuden beinhaltet (mit wenigen Ausnahmen in Form von abgeschlossenen Rauchräumen). Flankierend dazu gibt es Informationsmaterial und Unterstützungsangebote für Beschäftigte, die aufhören wollen zu rauchen.
 
Im Rahmen des Arbeitsschutzgesetzes wird der Arbeitsschutz und der betriebsärztliche Dienst im Arbeitssicherheitsausschuss koordiniert und vertraglich über eine Firma abgedeckt. Die gemeinsame Zielentwicklung und Absprachen zur Aufgabenverteilung sind durch die Einbindung der Akteure in die AG Gesundheits- und Personalmanagement gewährleistet.

Die Personalentwicklung bietet konkrete Unterstützung für Führungskräfte bei der Anwendung von Personalentwicklungsinstrumenten (z. B. Mitarbeiter-Vorgesetzten-Gespräche, Führungskräfte-Feedback). In 2005 wurde außerdem ein umfassendes Programm zur Förderung von Führungskräftenachwuchs entwickelt.

Die Dienstvereinbarung zur konstruktiven Konfliktregulierung ist seit Februar 2005 in Kraft. Diese löste die bis dahin existierende Dienstvereinbarung, die sich ausschließlich auf den Umgang mit Mobbing bezog, ab. Es wurde eine Koordinierungsstelle zur Umsetzung der Dienstvereinbarung zur konstruktiven Konfliktregulierung gebildet. Die Dienstvereinbarung bietet über 10 ehrenamtliche Konfliktberater/innen die Möglichkeit der Beratung für Füh-rungskräfte und Konfliktparteien, Konfliktmoderationen und bei Bedarf auch externe Unter-stützung an. Zur Umsetzung der Dienstvereinbarung finden umfangreiche Schulungen für Führungskräfte und Mitarbeiter/innen statt.

Im April 2005 wurde das Angebot einer Gesundheits- und Sozialberatung für Mitarbeiter/innen und Führungskräfte eingerichtet. Es gibt seitdem eine regelmäßige wöchentliche Sprechzeit der Koordinatorin für das Gesundheitsmanagement, des Fachberaters Sucht und – bei Bedarf – des Betriebsarztes.

Nach einem sehr erfolgreichen Gesundheitstag im Januar 2005 mit mehreren hundert interessierten Besucher/innen konnten unterschiedliche Kurse und Bewegungsangebote (Yoga, Pilates, Aktive Pause, Rückengymnastik und Mobile Massage) dauerhaft in den Dienst-räumen etabliert werden. Außerdem werden seit vielen Jahren die sehr vielfältigen und umfangreichen Angebote der Betriebssportgruppe rege wahrgenommen (z. B. Aerobic, Tisch-tennis, Rückenschule, Basketball, Badminton).

Im Rahmen eines internen Fortbildungsprogramms wurden zusätzliche Fortbildungen zu gesundheitlich relevanten Themen (Wertschätzende Kommunikation, Rauchentwöhnung, Stressbewältigung, gesunde Ernährung etc.) aufgenommen.

Konkrete Projekte des Betrieblichen Gesundheitsmanagements finden in einzelnen Arbeitsbereichen statt. Die wesentlichen Zielsetzungen hierbei sind die Verringerung von krank machenden Arbeitsbedingungen durch Analyse von Belastungen und Ressourcen und Teamentwicklungsprozesse, die Verbesserung des individuellen Umgangs mit Belastungen und die Erhaltung und Steigerung der Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Arbeitszufriedenheit durch z. B. Stressbewältigungsseminare, Trainings zum Umgang mit aggressiven Kunden/innen, Führungskräfte-Coaching und Schulungsmaßnahmen. Diese Projekte werden partizipativ mit den beteiligten Mitarbeiter/innen geplant und durchgeführt.

Die Belastungen durch Stress und Arbeitsverdichtung zeigten in der Gesamtauswertung der MitarbeiterInnen-Befragung sehr hohe Werte. Ein wichtiges Aufgabenfeld liegt daher einerseits in der Unterstützung zur besseren individuellen Stressbewältigung (Verhaltensprävention), andererseits im Bereich der Stressreduzierung durch die Identifizierung von Stressoren und deren Abbau (Verhältnisprävention). Es werden regelmäßig Seminare zur Stressbewäl-tigung angeboten; sowohl offen ausgeschriebene Seminare für interessierte Mitarbeiter/innen als auch spezifische in einzelnen Organisationseinheiten.

Ebenfalls im Rahmen des Gesundheitsmanagements wurde im Jahr 2006 ein Konzept „Gesundheitsorientierte Führung und Betriebliches Eingliederungsmanagement“ entwickelt. Dieses Konzept integriert die Aufgabe der Stärkung der gesundheitsfördernden Aspekte in der Mitarbeiter/Innenführung und den gesetzlichen Auftrag zur Einführung eines Betrieblichen Eingliederungsmanagements nach § 84 Abs. 2 SGB IX. Das Konzept ist sowohl eine Orientierungshilfe zur Gestaltung gesundheitsorientierter Führung in der Kommunikation zwischen Führungskräften und Mitarbeiter/innen als auch eine konkrete Verfahrensregelung zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement. Ein wichtiges Anliegen ist es, die wertschätzende Kommunikation als Prozess von der obersten Führungsebene nach unten zwischen Führungskräften und Mitarbeiter/innen weiter zu fördern und die besondere Bedeutung von „Führung durch Kommunikation“ zu verdeutlichen. Zur Implementierung dieses Konzeptes finden umfangreiche Schulungsmaßnahmen für alle Führungskräfte statt.


4. Evaluation und Ergebnisse

Es gibt verschiedenste Materialen z. B. zur Beschäftigtenstruktur, Gesundheitsberichte von Krankenkassen, verschiedenste Berichte und Datenmaterial, die im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements relevant sind. Diese unterschiedlichen Daten und Berichte sind die Grundlage für die Gesundheitsberichterstattung, die seit 2004 aufgebaut wurde. Das gesamte Material wird in der AG Gesundheits- und Personalmanagement analysiert, bewertet und es werden Maßnahmepläne entwickelt.
Die Umsetzung der Maßnahmen wird kontinuierlich begleitet, die Ergebnisse werden ausgewertet und die so gewonnenen Erkenntnisse fließen in die weiteren Planungen ein.

Move Europe-Partner „Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin“ (PDF, 169 KB)


nach oben    Seite drucken