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Stress am Arbeitsplatz

Seit einigen Jahren lässt sich in der Arbeitswelt ein Strukturwandel beobachten, der zur Folge hat, dass sich Arbeitsanforderungen von den körperlichen hin zu den psycho-mentalen Anforderungen verschieben. Immer weniger Menschen arbeiten im produzierenden Gewerbe und dafür zunehmend mehr im Dienstleistungsbereich. Aufgrund von Arbeitsverdichtung und engen Zeitvorgaben sind verstärkt stressbedingte Symptome wie Überforderung und Anspannung anzutreffen, die durch die Arbeitsplatzunsicherheit vieler Arbeitnehmer sowie durch den Druck, sich ständig an neue Bedingungen anpassen zu müssen, noch verstärkt werden.

Interventionen:
Zur Reduktion von arbeitsbedingtem Stress bietet sich die Kombination zweier Ansatzpunkte an:

  1. Kritische Untersuchung der Arbeitsbedingungen und darauf aufbauend eine angemessene Gestaltung derselben (Verhältnisprävention).
  2. Durchführung personenbezogener Maßnahmen, die sich auf die Bewertung potenzieller Belastungen und die individuelle Bewältigung von Stresssituationen beziehen (Verhaltensprävention).

Stress lässt sich vermeiden, wenn eine möglichst große Übereinstimmung zwischen den Arbeitsaufgaben und der Qualifikation des Beschäftigten hergestellt wird. Dann werden Aufgaben als Herausforderungen und nicht als Über- oder Unterforderung empfunden. In diesem Zusammenhang ist auch die Bedeutung der Qualifizierung und Einarbeitung von Beschäftigten zu sehen.

Außerdem sollten Arbeitstätigkeiten so gestaltet werden, dass sie ganzheitlich und persönlichkeitsfördernd sind und nicht zu Beeinträchtigungen führen. Untersuchungen von Karasek und Theorell (1990) haben gezeigt, dass die Kombination von hohen Anforderungen und geringem Handlungsspielraum mit einem hohen Risiko für die Entstehung von Krankheiten einhergeht. Dieses wird noch verstärkt durch einen gleichzeitig vorliegenden Mangel an sozialer Unterstützung. Handlungsspielraum und soziale Unterstützung stellen somit wichtige Ressourcen dar, die das Wohlbefinden der Beschäftigten positiv beeinflussen und Stresswirkungen abpuffern können.
Handlungsspielräume lassen sich durch Maßnahmen der Arbeitsgestaltung vergrößern, wie z.B. durch Einbeziehung der Mitarbeiter in Entscheidungen, durch Schaffung von Mitwirkungsmöglichkeiten oder durch bessere Information und Qualifikation der Beschäftigten. Das Verhalten der Führungskräfte spielt bei der Verminderung von Stress am Arbeitsplatz die wohl entscheidende Rolle. Führungskräfte, die sich der erheblichen Einflussmöglichkeiten des Führungsverhaltens auf Befinden, Motivation und Gesundheit der Beschäftigten bewusst sind, werden ihre Mitarbeiter mit ihren Bedürfnissen und Anregungen ernst nehmen, als Personen wertschätzen und ihre Leistungen anerkennen. Sie sorgen für einen offenen Kommunikationsstil in ihrem Arbeitsbereich, der auf Vertrauen basiert, sind bereit, bei Konflikten rechtzeitig zu vermitteln und schaffen auf diese Weise ein leistungsförderliches Betriebsklima.

Diese offensichtlichen Handlungsnotwendigkeiten haben seit Ende der achtziger Jahre auf europäischer und deutscher Ebene zahlreiche Aktivitäten nach sich gezogen: Dies gilt insbesondere für die betriebliche Gesundheitsförderung, eine dem Arbeitsschutzgesetz entsprechende Gefährdungsbeurteilung sowie für die Durchführung wissenschaftlicher Studien. Diese zielen auf der Basis stresstheoretischer Modelle darauf, Erkrankungsrisiken von Beschäftigten besser abschätzen und den Nutzen präventiver Maßnahmen durch Interventionen auf betrieblicher Ebene nachweisen zu können (wie z.B. bei Busfahrern, bei Beschäftigten in Call Centern und in der Pflege).

Wichtige Impulse gingen diesbezüglich von der Europäischen Union aus, die im Rahmen ihrer Gemeinschaftsstrategie für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz 2002-2006 die Verhütung von arbeitsbedingtem Stress als wichtiges Handlungsziel benennt und die Verbreitung von Erkenntnissen und Handlungshilfen auf diesem Gebiet gefördert hat. Unverkennbar ist auf europäischer Ebene und auch in den Mitgliedsstaaten das Bewusstsein für den hohen Stellenwert des Themas "Stress am Arbeitsplatz" gestiegen. Mit der Initiative "Neue Qualität der Arbeit" (INQA) werden seit 2001 Aktivitäten von Arbeitsschutzakteuren und Unternehmen gebündelt und miteinander venetzt, wobei "Stress am Arbeitsplatz" einen Schwerpunkt darstellt.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (baua) hat als Handlungshilfe für betriebliche Nutzer eine Toolbox mit verschiedenen z.T. tätigkeits- oder branchenspezifischen Verfahren zur Erfassung psychischer Belastungen entwickelt. Darüber hinaus haben die europäischen Sozialpartner im Oktober 2004 im Rahmen des Sozialen Dialoges eine Rahmenvereinbarung über arbeitsbedingten Stress verabschiedet. Diese Vereinbarung zielt darauf ab, ein gemeinsames Problemverständnis zu schaffen und Maßnahmen zur Vorbeugung, Beseitigung und Verminderung von Problemen durch arbeitsbedingten Stress voranzutreiben.


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