Die Förderung eines gesundheitsgerechten Lebenstils geht über Aufklärung und persönliche Verhaltensänderung hinaus
Die Arbeitswelt als ein zentraler Lebensbereich begünstigt infolge z.B. der Zunahme von Arbeitsverdichtung und wachsenden psychischen Anforderungen ein geringeres Ausmaß an körperlicher Aktivität und die Ausbildung von gesundheitsschädlichen Lebensgewohnheiten. Verstärkt wird dies durch Einflüsse in anderen Lebensbereichen, etwa die Auswirkung des Medienkonsums bei Kindern und Jugendlichen. Die negativen Folgen dieser Entwicklungen werden sich im Zuge der Alterung der Gesellschaften und der Belegschaften verstärken. Allein die Herausforderungen der demografischen Veränderungen für den Standort Europa rücken die Frage in den Vordergrund, wie man auf die Entwicklung des Lebensstils in den genannten Feldern Einfluss nehmen kann.
Feststeht, bloße Aufklärung und Information wie auch Angebote zur individuellen Verhaltensänderung allein, müssen erfolglos bleiben, wenn die allgemeinen Lebensumstände einschließlich der Arbeitsbedingungen ganz andere Anreize setzen. Unternehmen können hierzu einen zentralen Beitrag leisten, insbesondere durch Programme und Maßnahmen, die in die allgemeine Unternehmenspolitik und Organisationsentwicklung integriert sind.
Unternehmen sollten die Chancen einer gesundheitsgerechten Gestaltung der Arbeitswelt für die Stärkung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit erkennen
Lebensstilveränderungen sind immer Ergebnis eines längeren Prozesses sozialen Wandels, der nicht von einzelnen Unternehmen unabhängig von den vorherrschenden Leitbildern und Werten in einer Gesellschaft gestaltet werden kann. Die Vorteile eines gesundheitsgerechten Lebensstils im Hinblick auf einen besseren Gesundheitsstatus und mehr Wohlbefinden werden immer stärker als Chancen für eine bessere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit erkannt, einschließlich verbesserter Beschäftigungschancen am Arbeitsmarkt. Diejenigen Unternehmen, die sich in Zukunft mit einem höheren Anteil älterer Beschäftigter im Wettbewerb behaupten müssen, investieren schon heute deutlich mehr in Anreize für gesundheitsgerechtes Verhalten. Allmählich setzt sich darüber hinaus die Erkenntnis durch, dass dies nur Erfolg haben kann, wenn gesundheitsgerechtes Handeln über die gesamte Lebensspanne gefördert wird, eine Konzentration auf ältere Beschäftigte greift bei weitem zu kurz.
Eine stärkere Verbreitung eines gesundheitsgerechten Lebensstils kann einerseits die Produktivität durch geringere krankheitsbedingte Fehlzeiten und bessere Leistungsfähigkeit verbessern helfen und zudem über eine Reduktion von Kosten für die soziale Sicherheit die Arbeitskosten positiv beeinflussen – Voraussetzungen für Sicherung und Ausbau der Wettbewerbsposition.
Programme zur Förderung eines gesundheitsgerechten Lebenstils am Arbeitsplatz in die Unternehmens- und Kulturentwicklung integrieren
Gesundheitsgerechte Ernährungsgewohnheiten können bspw. durch geeignete Angebote in der Betriebsverpflegung unterstützt werden, und auch gesundheitsförderliche körperliche Bewegung lässt sich in den Arbeitsalltag integrieren. Ein längerer Verbleib im Arbeitsleben von deutlich mehr Beschäftigten – eine zentrale Konsequenz des demografischen Wandels – erfordert jedoch auch im Hinblick auf die Rolle des Lebensstils eine Neubewertung und einen Bewusstseinswandel. Notwendig wird die schrittweise Entwicklung einer Kultur der Prävention und Gesundheitsförderung, vergleichbar mit dem Wertewandel in Bezug auf die Wahrung der natürlichen Lebensgrundlagen im Bereich des Umwelt- und Naturschutzes. Wie dort geht es auch im Bereich ‚Gesundheit‘ um eine neue Balance zwischen individueller Eigenverantwortung und sozialer Unterstützung.
Gesundheit ist nicht mehr reduzierbar auf eine Privatangelegenheit, um die sich jeder nach Feierabend selbst kümmern muss. Gesundheit ist mittlerweile als ein wichtiger Teil der Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit akzeptiert und entscheidet mit darüber, wie erfolgreich die Flexibilisierungsanforderungen in der Arbeitswelt gemeistert werden können. Dieses Verständnis kann nur dann in einen „kollektiven“ Lebensstil münden, wenn die kulturellen Voraussetzungen in den Unternehmen diesen Wandel unterstützen. Das Fundament dafür bildet eine mitarbeiterorientierte Arbeits- und Organisationsgestaltung.