Was ist Lebensstil? | Lebensstil und Gesundheit | Praktische Konsequenzen
Die Gesundheit der Menschen wird wesentlich durch ihren Lebensstil beeinflusst. Schlechte Angewohnheiten, wie Rauchen, wenig Bewegung oder mangelhafte Ernährung stellen wichtige - allerdings modifizierbare - Risikofaktoren dar und sind an der Entstehung zahlreicher chronischer Erkrankungen beteiligt. Nach Angaben der WHO waren im Jahr 2005 weltweit immerhin 60% der Todesfälle auf chronische Krankheiten zurückzuführen, darunter vorrangig Herzkrankheiten, Krebs, Diabetes und Atemwegserkrankungen. In der Arbeitswelt machen sich sinkende Produktivität und steigende Kosten durch hohe Krankenstände in der Belegschaft bemerkbar. Viele Unternehmen reagieren bereits auf dieses Problem, und so sind Maßnahmen zur Gesundheitsförderung weit verbreitet. Dabei zielen die meisten Programme auf Information oder Verhaltensänderung bei den Beschäftigten. Weniger in Gebrauch sind ganzheitliche Ansätze, die gleichzeitig eine gesundheitsförderliche Arbeitsgestaltung und -umgebung anstreben.
Wie jedoch Erfahrungen aus zwei Jahrzehnten zeigen, sind ausschließlich auf Aufklärung basierende Programme zur Gesundheitsförderung kaum nachhaltig. Die meisten Menschen kennen ja schon die Grundlagen: Nicht rauchen; körperlich aktiv sein; viel Obst, Gemüse und Vollkorn essen; Nahrungsmittel mit Zucker und hohem Fettgehalt reduzieren und Alkohol nur in geringen Mengen trinken. Wenn es also nur auf Wissen ankäme, sollte das Gesundheitsverhalten in den meisten Industrieländern perfekt sein.
Die epidemieartige Zunahme von Übergewicht und Fettleibigkeit in der Bevölkerung liefert einen Beleg dafür, dass Aufklärung allein nicht ausreicht. Schließlich ist die Bereitschaft von Erwachsenen, sich regelmäßig sportlich zu betätigen, ziemlich beschränkt, trotz jahrzehntelanger Aufklärungsbemühungen hinsichtlich der Bedeutung von körperlicher Aktivität, und, obwohl interessanterweise die Mitgliederzahlen in Fitness-Studios Rekordhöhen erreichen. Ein wichtiges Problem besteht vielmehr darin, dass die Menschen körperliche Aktivitäten aus ihrem Leben „herausorganisiert“ haben. Kinder laufen nicht mehr zur Schule; viele Schulen haben den Sportunterricht reduziert; ein Großteil der Menschen fährt mit dem Auto zur Arbeit; und die öffentlichen Verkehrsmittel sind in den meisten Städten unzureichend. Offensichtlich nimmt auch die bauliche Umgebung großen Einfluss auf die Gesundheit. Nicht nur der Lebensstil wirkt sich also auf die Gesundheit aus, sondern auch die Umwelt auf den Lebensstil. Ein gut gestaltetes Lebensumfeld in der Gesellschaft sowie eine Arbeitsplatzumgebung, die die körperliche Betätigung in die alltäglichen Routinen integriert, veranlasst die Menschen somit zu einem aktiveren Leben, also etwa zu laufen, Fahrrad anstatt Auto zu fahren, oder die Treppe anstelle des Fahrstuhls zu benutzen.
Weiterhin verfehlen auch Interventionen, die ausschließlich Verhaltensänderungen anstreben, häufig ihre Wirkung, da Menschen bekanntermaßen häufig zu alten Verhaltensweisen zurückkehren, wenn die Programme beendet werden. Obwohl dazu kaum Langzeitstudien vorliegen, ist es offensichtlich, dass Programme langfristig angelegt sein müssen, um erfolgreich zu sein. Gute Ansätze sind prozessorientiert und berücksichtigen die Interessen aller Beteiligten. Sie beinhalten eine Situationsanalyse, helfen den Betroffenen bei der persönlichen Entwicklung von Zielen, vermitteln die benötigten Fähigkeiten, bieten Anreize sowie das entsprechende Umfeld und die Möglichkeiten, um die gesundheitsförderlichen Verhaltensweisen beizubehalten.