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Körperliche Aktivität

Bewegung bezieht sich als Oberbegriff auf jede körperliche Aktivität, die durch die Skelettmuskulatur produziert wird und den Energieverbrauch über den normalen Grundumsatz anhebt. Regelmäßige körperliche Aktivität ist notwendige Voraussetzung für den Aufbau und Erhalt des gesamten Bewegungs- und Stützapparates, vor allem der Muskulatur und Gelenke. Viel Bewegung im Alltag und auch moderater Sport tragen nachweislich zur Gesundheit und besserem Wohlbefinden bei.

Ein körperlich inaktiver Lebensstil ist dagegen ein wesentlicher verhaltensbezogener Risikofaktor, mit dem eine Reihe von Gesundheitsgefährdungen einhergeht: Hierzu zählen einige der wichtigsten chronisch-degenerativen  Krankheiten, insbesondere Herz-Kreislauf-Krankheiten und Diabetes. Körperliche Inaktivität ist zudem ursächlich mit vielen Beschwerden des aktiven und passiven Bewegungsapparates verbunden. So hat der Mangel an körperlicher Aktivität einen erheblichen Anteil an der „neuen Volkskrankheit Rückenschmerz“, die ein wichtiger Grund für Krankschreibungen und Frühberentung ist. Durch körperliche Inaktivität erhöht sich das Risiko altersbedingter Stürze, einer besonderen Gefahrenquelle für die Gesundheit und Selbständigkeit älterer Menschen. Im Vorfeld von Erkrankungen und Beschwerden fördert körperliche Inaktivität bereits die Entwicklung unterschiedlicher gesundheitlicher Risikofaktoren. In erster Linie sind hier Bluthochdruck und Übergewicht zu nennen. Körperliche Inaktivität mit ihren Folgen wird bereits als das zentrale Gesundheitsproblem des dritten Jahrtausend bezeichnet.

Bewegungsmangel und Erkrankungen
Eine weltweite Schätzung der WHO zur Prävalenz körperlicher Inaktivität unter Erwachsenen (ab 15 Jahren) beträgt 17 %. Etwa 31 bis 51 % der Menschen gehen pro Woche weniger als 2,5 Stunden moderaten körperlichen Aktivitäten nach. Vermutungen der WHO gehen dahin, dass mehr als 10-16 % der Fälle von Brustkrebs, Dickdarm- und Rectalkrebs sowie Diabetes mellitus und 22 % der ischämischen Herzkrankheiten durch eine körperlich inaktive Lebensweise bedingt sind und weltweit 1,9 Mio. Todesfälle auf einen Mangel an körperlicher Bewegung zurückzuführen sind (World Health Report 2002).

Nach Angaben aus dem European Health Report (2002) haben körperlich nicht aktive Menschen im mittleren und höheren Lebensalter im Vergleich zu mittelmäßig bis aktiven Menschen ein erhöhtes Risiko für verschiedene Erkrankungen. Es wird angenommen, dass durch eine körperlich aktive Lebensweise europaweit 15-39 % der koronaren Herzkrankheiten, 33 % der Schlaganfälle, 12 % der Hypertonien, 12-35 % der Diabetes-Erkrankungen, 22-33 % der Kolon-Karzinome, 5-12 % der Mammakarzinome und 18 % der Osteoporose bedingten Frakturen vermieden werden könnten. 

Für Deutschland wird geschätzt, dass mehr als 6.500 Herz-Kreislauf-Todesfälle pro Jahr vermieden würden, wenn lediglich die Hälfte der körperlich inaktiven Männer im Alter von 40 bis 69 Jahren gemäßigten körperlichen Aktivitäten nachgingen (RKI 2005). Demnach stellt regelmäßige Bewegung, die zielgerichtet, mit moderater Intensität und einem Mindestumfang von etwa zwei Stunden pro Woche durchgeführt wird, einen zentralen Schutzfaktor für die Gesundheit dar.

Gesundheitsfördernde Aspekte der Bewegung
Eine gesteigerte körperliche Aktivität wirkt nicht nur den genannten gesundheitlichen Risiken entgegen, sie fördert zugleich die körperliche Fitness und das physische und mentale Wohlbefinden. Gerade den sportlichen Aktivitäten werden in diesem Zusammenhang anti-depressive und allgemein stimmungsverbessernde Effekte zugeschrieben sowie weitere gesundheitsrelevante Wirkungen wie z. B. die Stärkung des Selbstvertrauens. Körperliche Aktivitäten sind darüber hinaus offensichtlich auch geeignet, andere gesundheitsrelevante Verhaltensmuster (Rauchen, Ernährung), soziale Faktoren von Gesundheit (z. B. soziale Unterstützungssysteme) sowie deren Kontext (Bewegungsumwelt) positiv zu beeinflussen.

Mit der Förderung eines körperlich aktiven Lebensstils sind folgende Kernziele verbunden:

  1. Stärkung physischer Gesundheitsressourcen: Ausdauer-, Kraft-, Dehn-, Koordinations- und Entspannungsfähigkeit
  2. Verminderung von Risikofaktoren: Bluthochdruck, erhöhte Blutzuckerwerte, Störungen des Fettstoffwechsels, Übergewicht, muskuläre Dysbalancen, etc.
  3. Stärkung psychosozialer Ressourcen: Subjektiver Gesundheitszustand, Zufriedenheit mit der Gesundheit, Sorgen um die Gesundheit
  4. Bewältigung von Beschwerden und Missbefinden: Rückenprobleme, Gliederschmerzen, depressive Stimmungslagen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, schnelle Ermüdung, psychosomatische Probleme, Stresswahrnehmung, etc.

Bewegungsbezogene Maßnahmen am Arbeitsplatz
Am Arbeitsplatz, der sich nicht selten durch Bewegungsarmut, Zwangshaltungen und monotone Tätigkeiten auszeichnet, bestehen viele Möglichkeiten, die protektiven Faktoren von Bewegung zu nutzen und zu fördern, so z.B.: 

  • Reduzierung von Barrieren durch unregelmäßige Arbeitszeiten
  • Verbesserung der Bewegungsverhältnisse durch profilierte Gesundheitssportprogramme, die unter qualifizierter Anleitung auf die Zielgruppe bezogen sind
  • Entwicklung von betrieblichen Sportprogrammen
  • Verfügbarkeit adäquater Räumlichkeiten und Geräte
  • Vernetzung mit kommunalen und regionalen Sporteinrichtungen
  • Bewegungsübungen in Form von Pausengymnastik; Kurzpausen und Stretching
  • Erhöhung der Inanspruchnahme gesundheitsgerechter Betriebsverpflegungs-Angebote (durch Aktionswochen, Informationskampagnen etc.)

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